INSA-Sprachumfrage 2021: Die meisten wollen das Wort „Rasse“ im Grundgesetz behalten

Die Bundesregierung will das Wort „Rasse“ aus dem Grundgesetz streichen. Dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit im Deutschen Bundestag erforderlich. Doch in der Bevölkerung gibt es gar keine Mehrheit dafür. Das zeigt eine aktuelle repräsentative INSA-Befragung im Auftrag der Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache. Die Ergebnisse liegen der DEUTSCHEN SPRACHWELT vor.

Demnach stimmen nur 34,9 Prozent der Befragten der Aussage zu, das Wort „Rasse“ sei unzeitgemäß und solle daher aus dem Grundgesetz gestrichen werden. Eine relative Mehrheit, nämlich 45,6 Prozent der Befragten, lehnt eine Grundgesetzänderung ab. Ein Fünftel ist unschlüssig oder machte keine Angaben.

Ursprünglich sollte das Wort „Rasse“ noch vor der Bundestagswahl im September aus dem Grundgesetz verschwinden. Doch im Mai teilte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) der „Süddeutschen Zeitung“ mit, daß das Vorhaben zurückgestellt werde, denn die Unionsfraktion habe die Beratung im Bundestag verhindert. In Artikel 3 heißt es derzeit noch: „Niemand darf wegen … seiner Rasse … benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Eigentlich hatte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit Lambrecht im März darauf verständigt, im Grundgesetz den Ausdruck „Rasse“ durch Diskriminierung aus „rassistischen Gründen“ zu ersetzen. „Jetzt schließt sich das Zeitfenster, in dem eine Grundgesetzänderung noch vor der Bundestagswahl möglich wäre“, erklärte Lambrecht. Dies sei „ein fatales Signal im Kampf gegen Rassismus.“

Die Bürger ziehen jedoch bei diesem Kampf gegen das Wort „Rasse“ nicht mit. Für eine entsprechende Grundgesetzänderung sind mehrheitlich lediglich die Wähler der Grünen (56 zu 29 Prozent) und der Linken (47 zu 34 Prozent). Selbst bei den Anhängern der Grünen ist man also weit von einer Zweidrittelmehrheit entfernt, die für eine Verfassungsänderung notwendig wäre. Das überrascht, denn ursprünglich handelt es sich um eine grüne Idee, die schließlich von der Bundesregierung aufgegriffen wurde. Die meisten Gegner der Forderung, das Wort „Rasse“ aus Artikel 3 zu streichen, gibt es bei der FDP (58 zu 25 Prozent) und der AfD (73 zu 13 Prozent). Es bleibt abzuwarten, ob der neugewählte Bundestag versuchen wird, das Grundgesetz gegen den Willen des Volkes zu ändern.

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