Natalia Klimaschka, Harald Martenstein, Land Steiermark

Mutige Schlesierin ist siegreich

Natalia Klimaschka ist „Sprachwahrer des Jahres“. Die Leser der DEUTSCHEN SPRACHWELT wählten die schlesische Wissenschaftlerin und Publizistin zur Siegerin. Eine relative Mehrheit von 26,2 Prozent entschied sich für Klimaschka. Auf dem zweiten Platz folgt der Kolumnist Harald Martenstein mit 21,4 Prozent der Stimmen, dahinter erreichte das Land Steiermark mit 15,1 Prozent den dritten Platz.

Klimaschka war bereits als Bewerberin für die „Auslandsdeutsche des Jahres“ 2025/26 angetreten, den Erika Rierpl aus Ungarn gewann (vergleiche DSW 102, Seite 12 und DSW 101). So rückte sie auch in den Blickwinkel der Leser der DEUTSCHEN SPRACHWELT. Bei ihrer Kandidatur zur „Auslandsdeutschen des Jahres“ war sie von nationalistischen Polen als „Verräterin“, „deutscher Müll“ und Agentin beleidigt worden. Zum Teil wurde der Kandidatin sogar Gewalt angedroht.

Sie ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern kämpft weiter für die deutsche Sprache. In Schlesien ist die deutsche Kultur bis heute lebendig, denn es wurden nicht alle Deutschen vertrieben. Rund 300.000 Personen umfaßt dort die deutsche Volksgruppe. Natalia Klimaschka ist eine davon und setzt sich für die Erhaltung der Sprache und Kultur ihrer Vorfahren ein.

Die waschechte Schlesierin ist Journalistin, Historikerin und Juristin mit frischem Doktortitel. Ihre Doktorarbeit an der Universität Kattowitz handelt vom Bild der Deutschen und Deutschlands in der polnischen Presse zwischen 1944 und 1949. Klimaschkas Familie ist seit mindestens dem 17. Jahrhundert in Schlesien ansässig. Nach dem Zweiten Weltkrieg mußten Natalias deutsche Eltern unter den polnischen Kommunisten ihre Namen ändern und auf das Sprechen der Muttersprache verzichten.

Durch das jahrzehntelange Totschweigen und Unterdrücken der deutschen Kultur erwuchs nach der Wende bei vielen Schlesiern das Bedürfnis, die deutsche Geschichte neu zu erkunden und zu erforschen – so auch bei Natalia. Sie bereist regelmäßig ihre Heimat und erstellt Artikel und Dokumentarfilme über ihre Forschungsergebnisse, die auf einem professionellen zweisprachigen schlesischen Internetportal veröffentlicht werden.

Mit ihren journalistischen Beiträgen – beispielsweise über Joseph von Eichendorff oder das Fürstenhaus Lichnowsky – möchte Natalia helfen, die Verständigung zwischen Polen und Deutschen zu verbessern. Die verbliebenen Deutschen sind die mit weitem Abstand größte einheimische Volksgruppe der Republik Polen. Von den Hunderttausenden Menschen deutscher Herkunft leben die meisten in Schlesien und im Bezirk Ermland-Masuren. In einigen Ortschaften in der Nähe von Natalias Heimatstadt Ratibor liegt ihr Bevölkerungsanteil so hoch, daß dort zweisprachige Ortsschilder aufgestellt wurden und Deutsch als zweite Amtssprache gilt.

Um die Wiederherstellung von jedem Stückchen deutscher Kultur muß hart gekämpft werden. Natalia steht bei den „Kämpfern“ mit in der ersten Reihe. Sie erreichte beispielsweise, daß in ihrem Ausweis wieder die ursprüngliche deutsche Schreibweise ihres Familiennamens statt der polnischen steht. Leider wurde sie von polnischen Nationalisten allein wegen ihrer Teilnahme am Wettbewerb „Auslandsdeutsche des Jahres“ im Netz beleidigt und verunglimpft.

Platz 2: Harald Martenstein

Der scharfzüngige und sprachgewandte Journalist Harald Martenstein wechselt als Kolumnist nach 24 Jahren vom ZEIT-Magazin als Nachfolger des verstorbenen Franz Josef Wagner zur Bild-Zeitung. Bei der „Zeit“ habe es zwar vereinzelt Sätze gegeben, die gestrichen wurden. „Das habe ich nicht besonders gern.“ Die öffentlich-rechtlichen Radiosender NDR und RBB hingegen, in denen die Kolumnen ebenfalls veröffentlicht wurden, hatten ganze Texte zensiert. Martenstein schreibt trotzdem weiter.

Platz 3: Land Steiermark

Die Landesregierung des österreichischen Bundeslandes Steiermark schaffte zum 1. September 2025 in allen 235 Landesgesetzen das Gendern ab. In allen Gesetzen legt eine Gender-Generalklausel fest, daß funktionsbezogene Bezeichnungen für alle Geschlechter gelten. Die Regierung erhofft sich dadurch „mehr Verständlichkeit und Rechtssicherheit“.

Seit dem Jahr 2000 wählen die Leser der DEUTSCHEN SPRACHWELT „Sprachwahrer des Jahres“, um vorbildlichen Einsatz für die deutsche Sprache zu würdigen. Die Auszeichnung erhielten bisher beispielsweise Mario Barth (2024), Loriot (2011), Papst Benedikt XVI. (2005) und Reiner Kunze (2002). (dsw)

Vorgeschlagen waren:

  • Reinhard Mey: Der 82jährige Liedermacher feierte 2025 mit seinem Lied „In meinem Garten“ von 1970 einen unerwarteten Erfolg. Grund dafür war eine Netflix-Dokumentation über den Rapper „Haftbefehl“, der darin das Lied sang. Es landete daraufhin auf Platz 15 der „Deutschen Singlecharts“.
  • Papst Leo XIV.: Das Oberhaupt der katholischen Kirche lernt Deutsch. Wachsame Netznutzer fanden heraus, daß Robert Prevost zu nächtlicher Stunde ein Sprachlernprogramm benutzt, um sich die deutsche Sprache anzueignen. Außerdem setzte sich Leo in einer Ansprache gegen die Verengung der Redefreiheit ein.
  • Norbert Bolz: Der unbescholtene Medienwissenschaftler wurde im Oktober 2025 Opfer einer Hausdurchsuchung. Auslöser war eine harmlose ironische Äußerung auf der Plattform „X“. Die von der Landesregierung finanzierte Meldestelle „Hessen gegen Hetze“ hatte Meldung an die Berliner Staatsanwaltschaft erstattet. Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt, das Denunziationsportal soll zum Teil zurückgebaut werden.
  • Harald Martenstein: Der scharfzüngige und sprachgewandte Journalist wechselt als Kolumnist nach 24 Jahren vom ZEIT-Magazin als Nachfolger des verstorbenen Franz Josef Wagner zur Bild-Zeitung. Bei der „Zeit“ habe es zwar vereinzelt Sätze gegeben, die gestrichen wurden. „Das habe ich nicht besonders gern.“ Die öffentlich-rechtlichen Radiosender NDR und RBB hingegen, in denen die Kolumnen ebenfalls veröffentlicht wurden, hatten ganze Texte zensiert. Martenstein schreibt trotzdem weiter.
  • Natalia Klimaschka: Die Wissenschaftlerin und Publizistin wurde als schlesische Bewerberin für die „Auslandsdeutsche des Jahres“ 2025/26 von nationalistischen Polen als „Verräterin“, „deutscher Müll“ und Agentin beleidigt. Zum Teil wurde der Kandidatin sogar Gewalt angedroht. Sie ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern setzt sich weiter für deutsche Sprache und Kultur ein.
  • Land Steiermark: Die Landesregierung schaffte zum 1. September 2025 in allen 235 Landesgesetzen das Gendern ab. In jedem Gesetz legt eine Gender-Generalklausel fest, daß funktionsbezogene Bezeichnungen für alle Geschlechter gelten. Die Regierung erhofft sich dadurch „mehr Verständlichkeit und Rechtssicherheit“.
  • Peter Littger: Der Journalist und Medienkritiker prangerte medienwirksam und parteiübergreifend den übermäßigen Gebrauch unnötiger Anglizismen im Bundestagswahlkampf 2025 an: Friedrich Merz (CDU) ging „all in“, Alice Weidel (AfD) klagte über „Framing“ und Robert Habeck (Grüne) schwafelte von „fair enough“. Littger warnte mit zahlreichen Belegen in der „Welt“, daß die deutsche Sprache ihre Definitionshoheit verliere.